Leben & Arbeiten in den Bergen

Persönlicher Blog

Es ist nicht der Berg, den wir bezwingen - wir bezwingen uns selbst

(Edmund Hillary)

Tagebuch - Sanierung Becherhaus 2021

Seit August 2020 arbeiten wir im Auftrag des Amtes für Bauerhaltung vom Land Südtirol an der Generalsanierung des Becherhauses auf 3.195m. Das Becherhaus ist die höchste Schutzhütte Südtirols und wurde 1894 vom DÖAV Hannover erbaut. Seit 1999 ist das Becherhaus im Besitz des Landes Südtirol.

Dieses Tagebuch soll euch Einblick in unsere Alltag und unsere Arbeit am Becherhaus gewähren. Diese Erfahrung ist einzigartig und deshalb wollen wir sie hier als Team mit euch teilen.



Die bekannte Bell 205 von Wucher Helicopters war uns beim Transport und der Installation vom neuen Aggregat hilfreich. Das Teil wiegt 1.200kg und ist mit unserer Maschine nicht zu fliegen.


Mitte Mai und immer noch Winter

Wir schreiben heute den 19.Mai 2021 und der Winter hat noch seine volle Kraft. Zwar haben die Temperaturen ein wenig zugelegt, wir haben aktuell minus 8 Grad, der Wind aber macht uns zu schaffen.

Wir kommen mit den Arbeiten in der Hütte gut voran, die Fensterbauarbeiten in der neuen Stube sind fertiggestellt und wir haben bereits einige Fenster an der Fassade tauschen können. Die Zimmerer arbeiten an der Südfassade, zur Zeit unangenehm. Diese Woche starten wir den Versuch, ob wir in der Wasserfassung, 400 HM unterhalb der Hütte Wasser bekommen. Bis dato ist uns das noch nicht gelungen.



ORF- Weltjournal bei uns am Becherhaus

Wir durften ein paar Aufnahmen sehen :-)
Wir durften ein paar Aufnahmen sehen :-)

Ines & Marco vom ORF Weltjournal haben uns ein paar Tage bei unserer Arbeit begleitet. Der Erste Tag war echt Traumhaft, Sonnenschein, Neuschnee und klare Luft. Der Tag nachher war dann das Gegenteil. Eine Kaltfront aus Süden hat uns voll erwischt. Schee, Nebel, Wind und unangenehme Temperaturen eröffneten den Tag. Jetzt sind wir eingesperrt, am Becherhaus. Von Fliegen kann keine Rede sein, mit den Skiern abfahren auch nicht. Also blieb nur eines, ruhig bleiben, weitermachen und bloß keinen Stress. Ines & Marco waren mit uns da oben eingeschlossen und sie haben die Situation mit eleganz und stoischer Ruhe gemeistert. Wo Hand anzulegen war, wurde angepackt...ohne wenn und aber. Wir fanden es klasse...



Der Winter gibt nicht auf

Kaltfront aus dem Süden
Kaltfront aus dem Süden

Die letzten Tage waren hart für uns. 10 Tage in Folge hatten wir schlechtes Wetter mit Sturm und Schneefall, jeden Tag. Die Temperaturen lagen ständig unter Null, teilweise im zweistelligen Minusbereich.

Die Stimmung im Team passt und wir lassen uns da jetzt nicht drausbringen. Mit den Arbeiten selbst kommen wir gut voran.

Was die Sicherheit betrifft, haben wir uns einen Notfallplan gebastelt. Die Bergrettung Ridnaun hat uns eine Akja und Vakuummatratze zur Verfügung gestellt, so dass wir im Notfall einen Verletzten mit den Skiern ins Tal bringen können. Wenn hier was passiert, so kann kein Hubschrauber fliegen, wir müssen uns selbst darum kümmern.



Das Gerüst steht

Das Gerüst von Alpipont steht. Wir arbeiten an der Fassade und am Dach weiter und kommen zügig voran. In diesem Gelände ist es eine Meisterleistung, ein solches Gerüst aufzustellen. In Summe sind es ca. 11 Tonnen (11.000kg) an Gerüst, welches hochgefolgen wurde und in knapp 3 Tagen aufgestellt wurde. Die Temperaturen lagen bei minus 16 Grad am Morgen.



Neubau Dachgaube bei wilder Kälte 8.März

Die neue Dachgaube am Becherhaus steht. Sie dient als Notausgang und man hat einen super Ausblick auf die Feuersteine. Die letzten Tage waren hart. Minus 23 Grad und Wind mit über 60km/h machten uns zu schaffen. Von der fliegerischen Leistung von Axel ziehen wir den Hut, das kann hier nicht jeder.



Becher Team 2021

Für unser Team gibt es keine Beschreibung, es ist einzigartig und wild. Unser Zusammenleben auf engsten Raum, das Arbeiten bei den widrigsten Verhältnissen schweißt uns zusammen. Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen ist für uns das wichtigste Gebot. Wir kommen aus verschiedensten Unternehmen und sind unter der Marke ALPINE WORK vereint.

 


Warum wir im Winter bauen

Die Frage warum wir ausgerechnet im Winter auf 3.200m bauen wir uns oft gestellt. Das hat natürlich mehrere Gründe und wir haben, bevor wir diesen Schritt gewagt haben, lange darüber nachgedacht. 1894 wenn die Hütte erbaut wurde, haben die alten Baumeister im März begonnen. Der Grund war die Schneelage und das im Winter stabiliere Wetter. Aufgrund des vielen Schnees am Gletscher, waren die Transport einfacher. Die stabile Wetterlage im Winter machte das Arbeiten sicherer. Wir machen das genauso. Zwar haben wir anstatt Zugtiere einen Hubschrauber, dennoch das Wetter ist im Winter stabiler. Zudem haben wir keine Gäste an der Hütte und das erleichtert uns das Arbeiten. Bis Ende Juni, wenn die ersten Gäste kommen, haben wir Innen so gut wie fertig und der Wirt kann den Sommer über die Hütte betreiben, das freut natürlich den Wirt und die Gäste. Bei einer Baustelle in dieser Dimension im Sommer zu bauen, wäre einfach schwierig, wenn gar unmöglich, ohne die Hütte geschlossen zu haben. Wir haben nichts neues Erfunden, nur von den alten Beumeistern abgeschaut und auf uns angepasst.


25.03.2021 - Start Installation Wasser & Elektro

Mit heute starten wir die Arbeiten für die Installation von Wasser und Elektro. Der strenge, kalte Nordwind ist jetzt weg und wir können mit den Arbeiten weitermachen. Vorbereitung für den Gerüstbau laufen, wir müssen das Eis wegspitzen. Unser Team wurde aufgestockt auf 10 Mann. Mit dabei das Lehrmädchen Sonja von Mader und Margit, die Wirtin der Schwarzensteinsteinhütte. Margit macht die Versorgung für uns. Momentan passt das Wetter und das Team sowieso.



12.03.2021 Die Zimmerer von Unionbau sind da

Ende April geht es mit den Zimmermannsarbeiten los. Diese werden von den Zimmerern von Unionbau ausgeführt. Heute Besprechung vor Ort wegen dem Bauablauf. Tobias und Vorarbeiter Lorenz sind mit dabei. Windiges und kaltes Wetter heute. Wir beginnen mit der Dachgaube, die muss als erstes gemacht werden. In der Zwischenzeit montieren wir die Schindeln an der Fassade ab und bereiten alles vor. Das Gerüst kommt am 12.04.2021.

Aufgrund des schlechten Wetterberichtes für die Woche vom 15ten März, verschieben wir den Start von Elektro- und Wasserinstallation um eine Woche.

Der Durchgang in die neue Stube ist fertig. Robert und Kurt haben gute Arbeit geleistet. Alle stehen vor Dreck und sind müde. Stimmung ist sehr gut, trotz der Anstrengungen.



11.03.2021- Der Winter ist zurück

Die Arbeiten sind diese Woche anstrengend. Die Temperaturen sind stark gefallen, teilweise minus 16 Grad. Die Arbeiten gehen aber gut voran. Man spürt die Kälte in den Knochen. Auch der Dreck im Gesicht und auf den Händen, der Staub, ist unangenehm. Mit Abwaschen müssen wir sparen.

Raphi und Fuzzi kochen ständig Schnee. Das muss den ganzen Tag so gehen, sonst bekommen wir kein Wasser zusammen. 

Die Arbeiten am Durchbruch zur neuen Stube gehen gut voran. Die alten Steine vom Ausbruch nehmen wir wieder her, das alte Fenster muss zugemauert werden. Diese Steine sind hart, sehr hart. Wahrscheinlich weil sie sehr eisenhaltig sind.

Vor der Hütte haben wir ein Fass aufgestellt. Geht gut zum Schnee kochen. Überall in der Hütte haben wir Kübel mit Schnee stehen. 

Der Wind lässt einfach nicht nach. Er macht einen unglaublichen Lärm und man spürt ihn in der ganzen Hütte.



06.03.2021 - Vorarbeiten für die Installationen

Abbruch der alten Wasserleitungen und der Elektroleitungen. Der Platzmangel hier macht es nicht gerade einfach, die Tanks rauszubringen. Wir schneiden sie zusammen, damit wir sie noch als Container benutzen können. Ideal für die Mülltrennung.

Für die Verlegung der neuen Wasserleitungen müssen wir die Öffnungen machen. Teilweise stoßen wir auf Mauerwerk und dann wieder auf Holz. Es ist ein ziemliches Labyrinth. Bei den Elektroleitungen ist es dasselbe. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht selber den Strom wegnehmen. Wäre blöd, wenn wir hier im dunkeln sitzen, ohne Energie. 

Die alten Mauern von 1894 sind teilweise 1Meter dick. Alles mit Steinen gemauert. Da wird aus einem kleinen Loch schnell ein großes.



Februar 2021

Wir haben relativ wenig Schnee. Man erkennt die ständige Südströmung mit starkem Wind. Die PV-Anlage ist schon fast frei. Die brauchen wir für die Energie - den Strom den wir hier brauchen. Es ist die alte Anlage, ca. 20 Jahre oder mehr. Damals eine Pionierleistung. Heute produziert sie ca. 4kW. Als Zusatz für den Aggregat mit Diesel, auch alter Bestand, sicher eine gute Lösung solange wir Sonne haben. In der Hütte selbst liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt.




Was bisher geschah

Das Becherhaus 3.195m - Februar 2021
Das Becherhaus 3.195m - Februar 2021

Am 25. August 2020 haben wir mit den Arbeiten zur Generalsanierung am Becherhaus begonnen. Mit den Betonarbeiten haben wir angefangen. Für den Neubeu der Stube an der Ostseite, der Erweiterung der Terrasse an der Westseite und für die neue Wasserfassung, welche 400m unterhalb der Hütte liegt.

Das ist kein normaler Auftrag und schon gar keine normale Baustelle. Arbeiten in dieser Höhe, auf über 3.000m und in dieser Jahreszeit, verlangt einiges von uns ab, körperlich wie geistig.


Oktober - November 2020

Der Neubau der Stube an der Ostseite ist unser Ziel für 2020. Es ist die Schlüsselstelle, die größte und gefährlichste Herausforderung bei dieser Sanierung. Nach Vorbereitung und Produktion, haben wir die gesamte Stube im Tal 2x als Training zusammengebaut. Jeder Handgriff muss bei der Montage sitzen. Unsere Vorplanung hatte einige Fehler, haben wir beim Training gesehen. Wir haben es umgestellt und bei jeder Schlüsselposition eine Reserve platziert. Alle Teile liegen bei 700kg und weniger. Alles andere ist zu schwer und erhöht massiv das Risiko in der Montage.



September 2020

Während wir am Becherhaus betonieren, wurden wir vom Nebel überrascht. Unser Pilot Cristiano muss sich voll auf die Angaben von Flughelfer Stefan verlassen, denn die Sicht ist durch den Nebel total eingeschränkt.

Das Wetter ändert sich hier rasend schnell. Wenn wir die Runde schauen ist der Himmel alle frei, nur bei uns zieht der Nebel schnell vom Tal auf. Für unseren Piloten kann das sehr schnell zum Problem werden, er ist dann praktisch blind.